Anfangs des 19. Jahrhunderts kam der Kanton Zug
zu einer weiteren dauerhaften Einrichtung: Am 2 Mai 1813 wurde die Gebäudeversicherung
durch Landsgemeindebeschluss zum Obligatorium für alle Gemeinden und Gebäudeeigentümer
erhoben. Zwar löste dieser Entscheid nicht überall Begeisterung aus, doch Zug, Unterägeri,
Menzingen, Steinhausen und Risch traten der neuen Organisation auf Anhieb bei, was für
die anderen Gemeinden dann wegbereitend war. Man kam überall schnell zur Einsicht, dass
die Institution wirklich eine grosse Verbesserung brachte: Zuvor war es für Brandgeschädigten
nämlich um einiges schwieriger. Nach einem Unglück stellte der Rat jeweils sogenannte
Steuerbriefe aus, was dem Betroffenen erlaubte für den Wiederaufbau Geld zu sammeln. Dass
diese Bettelei höchst unangenehm war kann man sich leicht vorstellen. Ein Blick in die
Zuger Feuerchronik von Dr. Hans Koch zeigt dass auch im Ägerital Steuerbriefe ausgestellt
wurden:
1689: Den 8. Mai brannte dem Joseph Müller in Ägeri sein Haus ab. Alle Mobilien und
zwei Kinder verbrannten. Dem Müller wurde ein Steuer- oder Bettelbrief erlaubt.
1722: Am Abend des 6. Juli brannte in Unterägeri das Haus von Johann Christian Iten und
die dabeistehende Säge ab. Hausrat und Werkgeschirr verbrannten, nicht einmal die Kleider
konnten gerettet werden. Iten bekam einen Steuerbrief.
1748: Am 23. September brannte in Unterägeri das Doppelhaus des Johann Heinrich Iten samt
Scheune nieder. Es war niemand daheim und alles verbrannte. Iten erhielt einen Steuerbrief.
Heute gebührt diesen weitsichtigen Männern von damals grosser Dank, nicht zuletzt
durch den damaligen Entscheid entstand im Jahre 1840 für die Gemeinde Unterägeri
eine erstmals schriftlich abgefasste Feuerordnung. Diese Verordnung ist eines der wenigen Dokumente
alter Zeiten die sich im Archiv finden lassen. Es wird vermutet dass die Feuerratspräsidenten
bei Abgabe ihres Amtes die Unterlagen meistens verbrannten!
Wichtiges in Kürze
1845 wurde das Schulhaus Dorfplatz gebaut und damit auch eine viele Jahre dauernde Unterkunft
für Feuerwehr Geräte geschaffen.
Dass die Ausbildung nie stillstehen durfte, zeigen die eifrigen Besuche der verschiedenen Abteilungen
an den Kantonalen Feuerwehrtagen von 1920 bis 1930. Nebst dem Hydrantenkorps gab es auch das
Rettungskorps, welches speziell an Leitern ausgebildet wurde.

Feuerwehrtag Menzingen 1924 - Sektion Unterägeri
1936 bekam die Feuerwehr endlich eine Motorspritze. Nachdem verschiedene Modelle geprüft
wurden, entschloss man sich zum Kauf einer Maschine der Firma Brun in Nebikon zum Preis von
7530 Franken inklusive Zubehör. Damit diese neue Motorspritze überall eingesetzt
werden konnte, wurden in Hinterwyden, im Hinterwald und im Wyssenbächli Feuerweiher oder
Schwellvorrichtungen gebaut.
Die Anschaffung des ersten Feuerwehrautos kam 1951 auf nicht alltägliche Art und Weise
zustande: Im "Touring" hatte die Feuerwehr Wattwil ein Fahrzeug ausgeschrieben, welches
dann auch kritisch angeschaut wurde. Selbst der Wintertüchtigkeitstest im verschneiten
Dorf fiel zur Freude aller Beteiligten zufriedenstellend aus. Das einzige Problem war die Finanzierung,
da die Budgetgemeinde erst im Februar stattfand , der Kauf aber bis Ende November abgewickelt
werden musste. Zwei gutmütige Unterägerer meisterten diese Situation, indem sie das
Fahrzeug privat und auf eigenes Risiko kauften, ohne dass damals jemand etwas davon wusste.
Nach der Gemeindeversammlung bekamen sie ihren Vorschuss dann wieder zurück. Ebenso klammheimlich
natürlich...
1953 hiess es Abschied nehmen von dem Messinghelmen, die eingezogen, für einen Franken
verkauft und durch den schwarzen Armee-Stahlhelm ersetzt wurden.
1961 kam die Feuerwehr als erste im Kanton Zug zu einem Pulverlöschgerät. Der Prototyp
begeisterte die Verantwortlichen an einer internationalen Feuerwehrausstellung in Köln.
Zurecht, wie sich spätestens bei einer Garagen-Explosion 1965 herausstellte, konnten doch
trotz des tragischen Ausganges noch mindestens zwei Menschenleben gerettet werden.
Dass in der Feuerwehr nebst harter Arbeit auch die gesellschaftliche Seit nicht zu kurz kommen
darf, muss wohl nicht speziell erwähnt werden. In der Zeit von Kommandant Leo Iten fallen
zwei Neuerungen auf diesem Sektor: Das Feuerwehr-Nachtessen an der Hauptübung, sowie der
Feuerwehrball, welcher 1964 im Hotel Ägerihof zum erstenmal durchgeführt wurde.
Im Februar 1965 gab es eine technische Änderung, indem die bisherigen Gewindeverschlüsse
an den Schläuchen und Hydranten durch den praktischen Bajonettverschluss (Storzkupplung)
ersetzt wurden. Dadurch waren die Kupplungen mit denjenigen des Zivilschutzmaterials identisch.
Ein Jahr später wurde der vom Samariterverein ausgeübte Sanitätsdienst in die
Feuerwehr eingebunden.
Am 18. März 1967 fand die Einweihung des zweiten Feuerwehrautos statt, welches von der
Firma Geser aus Littau stammte. Der Kauf dieses Fahrzeuges wurde notwenig weil das alte ausgedient
hatte.
Seit 1972 verfügt die Feuerwehr über eine ausgebildete Gruppe mit Atemschutzgeräten.
1974 wurde das erste Tanklöschfahrzeug angeschafft, welches auch für den Zivilschutz
zur Verfügung stand. 1981 bekam die Mannschaft eine neue Ausrüstung mit Kombi und
Helmen, und 1984 wurde die mechanische Leiter inklusive Zugfahrzeug angeschafft.
Nach dem Neubau des Depots an der Buchholzstrasse ebenfalls im Jahre 1984 wurde das Atemschutzfahrzeug
angeschafft, welches in diesem Jahr durch ein neues ersetzt werden wird.
1990 wird das alte TLF durch eine Neuanschaffung ersetzt. Ebenfalls ausgemustert wird im Jahre
1994 das zweite Fahrzeug der Firma Geser und durch ein Pikettfahrzeug der Firma Merdedes ersetzt.
Gleichzeitig werden zwei Motorspritzen des Typs 2 der Firma Vogt angeschafft.
Um den wachsenden Ansprüchen im Atemschutz gerecht zu werden, beschafft man 1996 21 neue
Atemschutzgeräte der Firma Dräger.
Im Jahre 2000 wird das alte Zugfahrzeug des Typs Landrover durch ein baugleiches ersetzt.
Ersatz des alten Kommando/Atemschutzfahrzeuges im Jahre 2003 durch ein baugleiches Modell der
Mark Mercedes. Das alte Fahrzeug dient weiterhin als Mannschafts- und Materialtrasportfahrzeug
mit der Bezeichnung Rämsel 7.
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Quellenverzeichnis:
fast sämtlicher Inhalt stammt aus der Festschrift zur Feuerwehrdepot-Einweihung vom September
1984